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Salettl
Von einer Kirche ist in diesem Reklamezettel keine Rede; eine solche war noch nicht vorhanden. Aber beim markanten Kilometerstein 10 der Rosenheimer Landstraße, dem Relikt der Salzstraße von Reichenhall nach München, stand der Gutshof „Schwaige“, der Wanderern und Fuhrleuten Rast und Erholung geboten hat. Dort haben die Ottobrunner Siedler auch in geistiger Weise Nahrung und Heil gefunden. Im Wirtsgarten des Gutshofes Schwaige hatte Reichsrat von Finkh durch die Vermittlung des Gutsverwalters Eduard Klas den frommen Siedlern eine Laube, einen etwa 5 auf 10 Meter großen Pavillon, das sog. „Salettl“, zur Verfügung gestellt, damit dort Gottesdienst gefeiert werden konnte.
Am ersten Adventssonntag vor über 90 Jahren, es war der 1. Dezember 1918, war es endlich so weit. Die damaligen Siedler haben dort im „Salettl“, also auf dem heutigen Gemeinde- gebiet von Ottobrunn, ihre erste Eucharistiefeier gestaltet. Bei grimmiger Kälte, Messwein und Weihwasser mussten im nahen Gasthaus aufgetaut werden, „benedizierte“ Dekan Haubenthaler aus Oberhaching das Not- kirchlein. Eine Woche lang bemühten sich die katholischen und evangelischen Christen der damaligen „Parkkolonie“, ihr Kirchlein, das der Hl. Familie geweiht worden war, respektabel auszustatten und zu schmücken. Freiwillig meldete sich Herr Benefiziat Friedrich Müller als Seelsorger, um mit den Siedlern Sonntag für Sonntag den Gottesdienst zu feiern, auch wenn es „Katzen hageln“ sollte (Therese Hörsgen in „Mein Ottobrunn“, Ausgabeheft 7/8, Dezember 08 / Januar 09, S. 3).
In geschwisterlicher Eintracht haben fortan Katholiken und Protestanten die Nutzung dieses ersten Gotteshauses geteilt. Bis 1921 diente diese erste Notkirche den Katholiken als Gottesdienstraum, zwei weitere Jahre den evangelischen Christen.
Das „Salettl“ wurde zum Geburtsort kirchlichen Lebens in Ottobrunn. St. Otto und St. Magdalena, Michaelskirche und St. Albertus-Magnus finden dort gleichsam ihre Wurzeln.
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